Wie können die Vorkurse an Bremer Schulen so gestaltet werden, dass der Spracherwerb von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund erfolgreich verläuft? Und wie ist es möglich, sie in das Regelschulsystem zu integrieren? Diese und andere Fragen diskutierten Vertreterinnen verschiedener Schulen und der START-Stiftung am 22. August 2018 beim Senatsempfang im Festsaal der Bremischen Bürgerschaft. Eingeladen hatte die Senatorin für Kinder und Bildung, Dr. Claudia Bogedan, alle Vorkurslehrkräfte und Schulleitungen der Bremer Schulen, um deren Leistungen bei der Beschulung geflüchteter Kinder und Jugendlicher zu würdigen. Die Senatorin dankte den Lehrkräften, die Sprach- und Werte-Vermittler, aber auch wichtige emotionale Bezugspersonen für zugewanderte junge Menschen seien, für ihre beeindruckende Arbeit. Sie vermittelten den neuen Schülerinnen und Schülern Wissen, Kraft, Vertrauen und Selbstbewusstsein.
In der von Scharajeg Ehsasian (Referentin bei der Senatorin für Kinder und Bildung) moderierten Podiumsdiskussion lobten mehrere Podiumsteilnehmerinnen die große Motivation der neu zugewanderten Schülerinnen und Schüler, sich zu integrieren und die deutsche Sprache schnell zu erwerben. Gleichzeitig äußerten die Schulvertreterinnen den Wunsch nach einer kontinuierlichen Sprachförderung; den Schülerinnen und Schülern sollte für den erfolgreichen Spracherwerb auch nach dem ersten Vorkursjahr über mehrere Jahre Unterricht in Deutsch als Zweitsprache gewährt werden.
Frau Dr. Kroh, Deutschlehrerin am Gymnasium Horn und Teilnehmerin der Podiumsdiskussion, forderte Verbesserungen in den Vorkursen in dreifacher Hinsicht. Erstens müsse der Fachunterricht in den Vorkursen gestärkt werden, d.h. dass die Vorkurs-Schülerinnen und -Schüler neben Deutsch und Landeskunde, auch in Englisch, Mathematik und in den Naturwissenschaften sprachsensibel durch Fachlehrer unterrichtet werden. Sie forderte zweitens den Einsatz von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern oder Psychologinnen und Psychologen am Gymnasium Horn, um insbesondere die Schülerinnen und Schüler in den Vorkursen in ihrem herausfordernden Schulalltag unterstützen zu können. Drittens machte sie den dringenden Bedarf an einem weiteren Deutschzertifikat deutlich. Der Hintergrund ist, dass Schülerinnen und Schüler, die das Sprachniveau A2/B1 erreicht haben, an deutschen Schulen im Inland das Sprachdiplom I (DSD I) ablegen können. Das Sprachdiplom II (DSD II) B2/C1 kann jedoch derzeit noch nicht an Bremer Schulen abgenommen werden. Um die Chancen von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund auf dem Arbeitsmarkt sowie die Motivation zum raschen Spracherwerb zu erhöhen, sei jedoch die Einführung dieses oder eines alternativen Zertifikats in Deutsch als Zweitsprache dringend erforderlich.
Gerahmt wurde die Diskussion durch beeindruckende Sport- und Tanz-Performances von Menschen mit Migrationshintergrund, einer spannenden Rede eines ehemaligen Vorkursschülers sowie durch einen berührenden literarisch-künstlerischen Poetry-Slam-Beitrag.