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Förderung bildungssprachlicher Lexik – fächerübergreifend und fachintegrativ. Begleitstudie zur Wortschatzintervention am Gymnasium Horn (Vf. Prof. Dr. Nicole Marx)

Im Schuljahr 2016/2017 wurde ein besonderes „Wortschatztraining“ am Gymnasium Horn pilotiert und wissenschaftlich evaluiert. Das Training und die Evaluation wurden in Kooperation mit den Fachkollegen des Gymnasiums Horn von Prof. Dr. Nicole Marx (Universität Bremen, Fachgebiet Deutsch als Zweitsprache/Fremdsprache) angeleitet und von Frau Lena Neumann im Rahmen ihrer im April 2017 abgeschlossenen Masterarbeit konzipiert und durchgeführt.

Ausgangspunkt des Trainings war die Beobachtung, dass auch Gymnasiasten Schwierigkeiten mit bestimmten Wortschatzbereichen aufweisen. Dies betrifft insbesondere den bildungssprachlichen, d.h. nicht alltagssprachlichen Wortschatz, der für das schulische Bestehen in allen Fächern besonders relevant ist.

Das Training basierte auf dem sog. „Robusten Wortschatztraining“ nach Beck/McKeown/Kucan[1] und dessen Adaption für den deutschen Sprachraum durch Kurtz et al.[2] Dies ist ein nachweisbar effektives Programm zur Förderung bildungssprachlichen Wortschatzes von der 1.-12. Klasse. Eine Besonderheit an diesem ist, dass es fächerübergreifend sowie wenig zeitaufwändig ist.

Die Pilotierung des Trainings fand vom Beginn des Schuljahres 2016 bis zu den Herbstferien als Kooperation zwischen der Projektleitung und den Fachlehrkräften in einer Projektklasse des 5. Jahrgangs statt. Die drei weiteren Schulklassen in diesem Jahrgang wurden als Vergleichsgruppen für die Evaluation herangezogen. Dafür schrieben Schülerinnen und Schüler zwei unterschiedliche Wortschatztests mit unterschiedlichen Aufgabentypen, und zwar einmal vor und einmal nach dem Projekt. Der getestete Wortschatz stammte aus in allen Klassen in dieser Zeit verwendeten Lehrmaterialien. Er wurde in der Wortschatztraining-Klasse entweder (1) explizit trainiert, (2) besprochen, aber nicht trainiert, oder (3) nicht trainiert. In den Vergleichsgruppen wurde der Wortschatz nicht trainiert.

Nach der Pilotierungsphase wurde das Training auch in den Vergleichsklassen ein- und von den Lehrkräften selbstständig bis zum Ende des Schuljahres durchgeführt.

Die Evaluation der Pilotierungsphase zeigte einige interessante Ergebnisse (eine ausführlichere Auswertung kann in der verlinkten Präsentation nachgelesen werden):

  1. Alle Klassen haben sich vom Schuljahresbeginn bis zu den Herbstferien verbessert. Allerdings hat sich die Wortschatztraining-Klasse mehr verbessert als die Vergleichsklassen.
  2. Vom Wortschatztraining profitierten sowohl schwächere als auch stärkere Schülerinnen und Schüler.Die Verbesserung der Wortschatztraining-Klasse im Vergleich zu den anderen Klassen zeigte sich insbesondere bei den produktiven Wortschatzaufgaben, also bei solchen Aufgaben, bei denen Schülerinnen und Schüler nicht nur Bedeutungen wiedererkennen, sondern selber formulieren mussten.
  3. Schülerinnen und Schüler hatten am Ende die besten Ergebnisse beim explizit trainierten Wortschatz, gefolgt vom nur besprochenen und dann vom nichttrainierten Wortschatz.
  4. Keinen Effekt auf den Wortschatzerfolg hatten die Merkmale „Geschlecht“, „Bilingualität“ und „Lesegewohnheit“. Das bedeutet: Mädchen hatten im Test ähnliche Ergebnisse wie Jungen, Schülerinnen und Schüler mit nichtdeutschen Familiensprachen ähnliche Ergebnisse wie solche mit Deutsch als Familiensprache, und Wenigleser ähnliche Ergebnisse wie Vielleser.

Daraus kann geschlussfolgert werden:

  1. Das Wortschatztraining führt zu einer messbaren Wortschatzerweiterung.
  2. Das Training eignet sich sehr gut dafür, ein tiefgreifendes Wortverständnis aufzubauen (Unterschied zwischen produktiven und rezeptiven Aufgaben).
  3. Das Training führt zu erhöhter Aufmerksamkeit gegenüber schulischen Wortschatz.

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[1] Beck, I./ McKeown, M. & Kucan, L. (2002): Bringing Words to Life – Robust Vocabulary Instruction. New York: Guilford Press.
[2] Kurtz, G./ Hofmann, N./ Biermas, B./ Back, T. & Haseldiek, K. (2015). Sprachintensiver Unterricht. Ein Handbuch. Baltmannsweiler: Schneider Verlag.

Eine kurze Zusammenfassung des Projekts und der Ergebnisse, die während der Lehrerkonferenz am 31.05.2017 präsentiert wurde, finden Sie hier: